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Bild: Ein kunstvolles Gewölbe entsteht

Themenüberblick:

Die Hommingberger Gepardenforelle
kommt ausschließlich im Internet vor. Und in Suchmaschinen, aber das ist ja fast das gleiche.

Zugänglich und barrierefrei
"Accessible" Webseiten vergrößern die Reichweite - und müssen keinesfalls hässlich aussehen

Wie man die Konkurrenz linkt
Coopetition und RSS bieten neue Wege der Vernetzung

Elche, Trolle und Co
Warum Diskussionslisten für die kommerzielle Netzkommunikation nützlich sein können

Sieben schlechte Gründe
Mail an ihrefirma.de unbeantwortet zu lassen

Webstandards als Kostenbremse
Webauftritte schneller entwickeln und günstiger betreiben

Ein Fisch namens Wanda
Jochen Scheel zur Kommunikation in der lernenden Organisation

Das Elend mit dem Content
Wird aus Content-Management-Systemen doch noch etwas Brauchbares?

Paule Privat ist nicht genug
Kommerzielle Webauftritte müssen für alle Interessenten und jede Technik zugänglich sein.

Vom Pay-TV zum Pay-Net
Geht die "Kostenlos-Kultur" im Internet zu Ende?

Wenn die Mail "rabäh" macht
Zum Umgang mit der steigenden Flut von HTML-Mails

Was ist eine gute Webpräsenz?
Claudia Klinger zur Beurteilung von Websites und Planung von Relaunches

 Zeit verplempern mit Geschwätz im Netz?
Oliver Baer zu E-Mail und Newslettern im Webmarketing

 Ins Netz gegangen
Digitale Netzwerke machen den Globus zum Punkt auf dem Bildschirm

 Seekrank durch Profnet
Besuch auf einer Website, die zeigt, wie man es nicht macht

 

Michael Charlier:

Wie man die Konkurrenz linkt

Coopetition per RSS bietet neue Wege der Vernetzung

Die derzeit beliebteste Suchmaschine Google erfasst in ihren Datenbanken nach eigener Auskunft mehr als zwei Milliarden Webseiten. Ob das ein Drittel oder nur ein Viertel aller bestehenden Seiten ist, bleibt umstritten - aber auch so ergeben normale Suchanfragen schon eine nicht mehr zu bewältigende Zahl an Ergebnissen - die meisten davon allerdings weit am Thema vorbei. Um wenigstens die Seiten wiederzufinden, die ihnen einmal positiv aufgefallen sind, sammeln fleißige Websurfer Tausende von "Bookmarks" - um sich dann in ihren Lesezeichen nicht mehr zurecht zu finden. Information vom Rauschen zu trennen und den Reichtum des Netzes zu erschließen, wird immer schwieriger

Es gibt diverse Projekte, die auf eine Verbesserung dieser Situation abzielen - die meisten werden noch Jahre bis zum Abschluß benötigen und dann vermutlich auch nur gegen Bezahlung nutzbar sein. An den Graswurzeln und noch tiefer im Untergrund des Webs wird derzeit mit technischen Verfahren experimentiert, die auf neuartige Weise die Bildung von persönlichen "Informationsnetzen" möglich machen. Das ist zwar kostenlos, verlangt aber auch einiges an technischen Kenntnissen.

Das Geheimnis des roten Buttons

Da ist z.B. die AussenlinkBlogger-Szene. Blogs sind tagebuchartig geführte und oft mehrfach täglich aktualisierte private Webseiten, auf denen sich Leute mit gemeinsamen technischen, beruflichen oder persönlichen Interessen treffen. Dort sieht man immer öfter einen kleinen roten Button mit den drei Buchstaben: "XML". Wenn man darauf klickt, erscheint eine mehr oder weniger rätselhaft ausgezeichnete Datei, die offensichtlich Informationen zu dieser Seite enthält. Für die Besucher, die schon auf der Seite sind, haben diese im Browser kaum entzifferbaren "RSS-Feeds" wenig Nutzen. Sie sind bestimmt zur Auswertung durch sogenannte RSS-Reader - und damit wird die Sache spannend.

Diese Reader sind im Netz kostenlos zu haben - z.B. Auf www.newsbee.de oder bei www.feedreader.com . Sie können die Feeds in einer vernünftig lesbaren Form darstellen - meistens so, wie man das von Mailprogrammen kennt: Links eine Liste der "Absender", rechts oben die Überschriften der einzelnen Summaries - und wenn man diese anklickt, erscheint rechts unten eine Inhaltsangabe des zur jeweiligen Überschrift gehörenden Artikels.

Zum Reader gehört eine Liste, in der einzutragen ist, welche Webseiten das Programm - unter Umständen mehrmals täglich - vollautomatisch besuchen soll, um dort die jeweils neuesten Inhaltsangaben abzuholen. Damit ist man jederzeit bestens darüber im Bilde, was auf den "wichtigen" Seiten geschieht. Technisch geht die Initiative dabei immer vom jeweiligen Anwender aus - er bestimmt, welche Webseiten sein Newsreader abgrasen soll. Aber praktisch wirkt das so, als ob die Informationslieferanten ihn jedesmal benachrichtigen, wenn es etwas Neues gibt.

Das funktioniert natürlich nur dann, wenn der Anbieter dafür sorgt, daß sein Newsfeed immer aktuell und aussagekräftig ist. Software, die das automatisch erledigt, gibt es bisher nur im Bereich der Blogs.

Aber das Prinzip ist nicht nur für die hochmotivierten Kommunikatoren der Blogger-Szene von Interesse. Lassen Sie uns die Dinge nüchtern betrachten: Wie kommt es, daß Sie gerade jetzt gerade diesen Artikel lesen? Kommen sie jede Woche zweimal hier vorbei, um zu sehen, was es neues gibt? Das nehmen wir noch nicht einmal von unseren größten Fans an. Den Systematischen unter ihnen trauen wir zu, daß sie sich einen jeden Monat wiederkehrenden Eintrag im Terminkalender gemacht haben: "Bei KommKonzept vorbeischauen". Andere kommen von den Links, die thematisch verwandte Seiten hierhin setzen, oder natürlich von den Suchmaschinen. Aber sehr viele kommen genau dann, wenn sie den Newsletter des Webwriting-Magazins oder die Bärentatze bekommen haben: Am Tag der Aussendung verdrei- oder vervierfacht sich die Besucherzahl, sie ist auch in den folgenden Tagen noch höher als sonst, um dann nach einer Woche wieder auf Normal zurückzugehen.

Das ist nicht nur hier so: Viele Besucher gehen nur dann auf eine Website, wenn sie eine Nachricht bekommen, daß es etwas neues gibt - und genau diese Benachrichtigungsfunktion erfüllt ein RSS-Feed auf nahezu ideale Weise. Es erspart Sendern wie Empfängern viel Zeit und Mühe.

Werden Newsletter überflüssig?

Vieles deutet darauf hin, daß RSS die Nachfolge des Newsletters - zumindest in seiner Benachrichtigungsfunktion - antreten werden. Allerdings werden die wenigsten Besucher von Kommkonzept oder Aussenlinkbaerentatze bereit sein, nur wegen unserer doch eher seltenen Updates einen RSS-Reader zu besorgen und routinemäßig laufen zu lassen. Ganz anders sähe das aus, wenn zehn oder zwanzig Sites aus dem Bereich "Marketing im Internet" ihre neuen Beiträge per RSS-Feed annoncieren würden. Dann lohnt sich das Abgrasen schon eher.

Man muß übrigens die Beute, die der Feedreader mitbringt, nicht für sich behalten: Kooperierende Anbieter könnten sie auch zur Bestückung einer Nachrichtenspalte auf der eigenen Website verwenden. Geeignete Software (News Aggragatoren) wird - ebenfalls in der Blogger-Szene - bereits eingesetzt. Wenn man den Prozess automatisch ablaufen läßt, hat das allerdings mehrere Nachteile: Die Bewegung kann leicht zu dynamisch werden - dann verdrängen neue Feeds die alten zu schnell von ihrem Platz in der Newsspalte. Außerdem würden diese Newsspalten bei allen Teilnehmern gleich aussehen - und vermutlich in keinem Fall wirklich zum inhaltlichen Schwerpunkt einer Seite passen.

Eine denkbare Lösung des Problems besteht darin, daß die Aggregierung eben nicht automatisch erfolgt, sondern auf dem Umweg über den Feedreader und die Auswahl des jeweiligen Site-Owners. Bei seiner täglichen Durchsicht der Feeds kreuzt er mit der Maus zwei oder drei Items an, von denen er annimmt, daß die Besucher seiner Seite besonders daran interessiert sein könnten. Die - und nur diese - werden dann mehr oder weniger automatisch upgeloadet und in die Newsspalte aufgenommen. Die Zusammensetzung dieser Spalte basiert dann auf einer von ihm getroffenen Auswahl und unterliegt vollständig seiner Kontrolle. Dementsprechend wird der Inhalt dieser Spalten bei allen Teilnehmern des Systems unterschiedlich aussehen - kein ärgerlicher Wiedererkennungseffekt beim Surfen von A nach B, sondern eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß der Seitenbesucher jeweils Dinge erfährt, die ihn in gerade diesem Umfeld wirklich interessieren. Und die Urheber der "zitierten" RSS-Feeds gewinnen einen (allerdings nur temporären) Link an bevorzugter Stelle auf der Webseite eines Partners, dem sie in "kooperierender Konkurrenz" verbunden sind.

So eingesetzt können Newsfeeds insbesondere Unternehmen kleiner und mittlerer Größe ein Mittel an die Hand geben, Kunden-Lieferanten-Beziehungen und Arbeitszusammenhänge im Netz abzubilden und damit einzelne Seiten ihrer Kommunikation untereinander und mit dem Markt zu verbessern - zu geringen Kosten. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Zum gegenseitigen Nutzen

Das klingt vielleicht optimistischer, als es bei der aktuellen angespannten wirtschaftlichen Situation angebracht erscheint. Aber das Konzept der Coopetition (cooperation and competition) bietet gerade in dieser Situation interessante Perspektiven. Auf die Dauer werden "kleine" Seitenanbieter, die inhaltlich oder nach Surfgewohnheiten benachbarte Gebiete abdecken, gut beraten sein, sich untereinander zu vernetzen und so die Chancen zu erhöhen, überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Für alle, die keine 6-stelligen Werbeetats einsetzen können, bieten RSS-Feeds und darauf basierende Anwendungen daher höchst interessante Perspektiven.

Damit diese Überlegungen nicht nur Theorie bleiben, initiert das AussenlinkWebwriting-Magazin ein Projekt, um die kommunikativen Möglichkeiten der RSS-Feeds praktisch zu erproben. Interessenten erfahren dort oder im direkten Kontakt näheres. Als Teilnehmer sind vor allem "webnahe" Dienstleister angesprochen, aber das Konzept ist flexibel.

Noch Fragen? Versuchen Sie's doch mal unten mit dem Link "Kontakt"

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Ort:http://www.kommkonzept.de /mc_rssfeed.shtml, Stand 21.06.2005, 09.50 , © Dr. Michael Charlier

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