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Bild: Ein kunstvolles Gewölbe entsteht

Themenüberblick:

Die Hommingberger Gepardenforelle
kommt ausschließlich im Internet vor. Und in Suchmaschinen, aber das ist ja fast das gleiche.

Zugänglich und barrierefrei
"Accessible" Webseiten vergrößern die Reichweite - und müssen keinesfalls hässlich aussehen

Wie man die Konkurrenz linkt
Coopetition und RSS bieten neue Wege der Vernetzung

Elche, Trolle und Co
Warum Diskussionslisten für die kommerzielle Netzkommunikation nützlich sein können

Sieben schlechte Gründe
Mail an ihrefirma.de unbeantwortet zu lassen

Webstandards als Kostenbremse
Webauftritte schneller entwickeln und günstiger betreiben

Ein Fisch namens Wanda
Jochen Scheel zur Kommunikation in der lernenden Organisation

Das Elend mit dem Content
Wird aus Content-Management-Systemen doch noch etwas Brauchbares?

Paule Privat ist nicht genug
Kommerzielle Webauftritte müssen für alle Interessenten und jede Technik zugänglich sein.

Vom Pay-TV zum Pay-Net
Geht die "Kostenlos-Kultur" im Internet zu Ende?

Wenn die Mail "rabäh" macht
Zum Umgang mit der steigenden Flut von HTML-Mails

Was ist eine gute Webpräsenz?
Claudia Klinger zur Beurteilung von Websites und Planung von Relaunches

 Zeit verplempern mit Geschwätz im Netz?
Oliver Baer zu E-Mail und Newslettern im Webmarketing

 Ins Netz gegangen
Digitale Netzwerke machen den Globus zum Punkt auf dem Bildschirm

 Seekrank durch Profnet
Besuch auf einer Website, die zeigt, wie man es nicht macht

 

Michael Charlier:

Elche, Trolle und Co

Warum Diskussionslisten auch für kommerzielle Netz-Kommunikation nützlich sein können

Leute, die beruflich mit dem Netz zu tun haben, verbringen weitaus mehr Zeit mit Email als beim Websurfen, und auch für private Nutzer steht Mail nach wie vor an erster Stelle - sagen die Aussenlink Marktforscher.

Tatsächlich hat sich im Netz auf Basis der guten alten Email sogar eine eigene Kommunikationssphäre mit eigener Kultur entwickelt: Das Diskussionslisten-Universum. Es liegt direkt neben dem Newsgroup-Kosmos, von dem es sich vor allem durch einfachere Technik und ein größeres Maß an Vertraulichkeit unterscheidet. Während Newsgroups in der Regel öffentlich sind und ihre Postings durch Suchmaschinen oder Archive für jedermann und auf Dauer erschlossen werden, gehen die Mitteilungen von Diskussionslisten an einen klar umrissenen Empfängerkreis. Wer nicht dazugehört, bekommt auch keinen Einblick.

Technisch sind AussenlinkDiskussionslisten einfache Verteiler für eMail: Jede Mail geht an alle Teilnehmer der Liste, jeder kann alles lesen und auf alles antworten - listenöffentlich oder privat.Im Unterschied zu Newsgroups oder den Webforen muß man sich jedoch nicht aktiv an eine bestimmte Adresse im Netz begeben, um teilzunehmen. Bei jedem Postabruf - für Anwender mit Standleitung oder DSL heißt das praktisch dauernd - bekommt man automatisch die neuesten Wortmeldungen auf den Bildschirm. Das gibt der Sache Schwung und fördert die Mitteilungsbereitschaft. Daher ist seit langem kein Thema ohne Liste: Briefmarken, Brieftauben, Benz-Fahrer, Blindenhunde, Bauingenieure, Blumenzüchter - alles vertreten. Wieviele solche Listen es gibt, weiß niemand - allein in Deutschland ist es bestimmt eine sechsstellige Zahl.

So einfach die Technik dieser Listen ist, so kompliziert ist oft ihre soziale Struktur. Da gibt es Platzhirsche - die sagen wo's lang geht. Und Elche oder Trolle, die liebend gerne Sand ins Getriebe werfen - und dann genüßlich zusehen, wie es knirscht und klemmt. Hinterbänkler gibt es in Massen, man liest nie etwas von ihnen - höchstens anderswo: Dort geben sie dann das in der Liste aufgeschnappte als Eigenes aus. Manchmal ist das lustig, in anderen Fällen aber auch durchaus ärgerlich: Etwa wenn es um Fachlisten geht, in denen Schlaumeier Know-How abgreifen und dann versuchen, es gegen teures Beraterhonorar zu verkaufen.

Irgendwie - und das ist genauso unpräzise gemeint wie es klingt - sind alle Mailinglisten dieser Welt miteinander verbunden. "Gute" Themen, die gerade einen Nerv der Netzgemeinde treffen - und das müssen nicht unbedingt Netzthemen sein - breiten sich schnell über Listen-, Länder- und sogar Sprachgrenzen aus. Es gibt "wilde" Listen, in denen über Gott und die Welt gequatscht wird und wo Platzhirsche und Elche sich die schönsten Schaukämpfe liefern. Die können recht unterhaltsam sein, bewegen aber nur selten etwas. Dann gibt es "geordnete Listen", die entweder von einem Moderator oder einem "harten Kern" von Mitgliedern mit übereinstimmenden Vorstellungen zusammen- und nahe am Thema gehalten werden. Die können etwas bewegen: Kenntnisse verbreiten, Meinungen popularisieren, Kunden bei Laune halten, Community herstellen.

Als kürzlich der Gründer und Administrator (er selbst hatte sich den Titel "List-Mom" zugelegt) einer über 2000 Mitglieder starken amerikanischen Web-Professionals-Liste nach fünf Jahren sein Amt niederlegte, wurde in seinem "Rücktrittsschreiben" und in der Reaktion der Liste darauf eindrucksvoll sichtbar, wieviel Lebensenergie solch ein Engagement verlangt - und welche Wirkung man damit entfalten kann. Die Beachtung der Webstandards, um die sich noch vor drei Jahren kaum ein Mensch kümmerte, sind heute (fast) eine Selbstverständlichkeit - ganz wesentlich dank der Aktivitäten dieser Liste.

Weil sie diese Wirkungsmöglichkeit von Diskussionslisten ernst nehmen, gehört für viele amerikanische Unternehmen Listenpräsenz in der einen oder anderen Form zum Pflichtprogramm der Öffentlichkeitsarbeit. In fachlich orientierten Listen treten ihre Vertreter meist mit offenem Visier auf. Dann werden sie - sofern sie es denn sind - gerne als kompetente Gesprächspartner akzeptiert. In Listen mit größerem Unterhaltungs-Anteil - etwa zu Lifestyle-Themen - gibt es gelegentlich Ärger, wenn sich herausstellt, daß einer der "Platzhische" im bis dato verschwiegenen Auftrag eines Unternehmens der Branche agiert. Tatsächlich sind einige Listen in diesem Bereichen auf Initiative von Unternehmen entstanden - Relikte aus der Zeit, als man noch Glaubte, "Communities" kaufen zu können.

Das ist nur in den seltensten Fällen gelungen - die Interessen der Leute sind zu verschieden, als das man aus der Eigenschaft, Kunde eines Unternehmens zu sein, viel Gemeinsamkeit ableiten könnte. Andersrum geht es schon eher: Wo schon gemeinsame Interessen bestehen, kommen immer wieder auch Themen zur Sprache, die es einem Unternehmen aus dem weiteren Umfeld des Themas erlauben, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Oder diese Chance zu versäumen. [2003-3]

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Ort:http://www.kommkonzept.de /mc_mailinglisten.shtml, Stand 28.04.2005, 10.22 , © Dr. Michael Charlier

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